
Der Preis eines Stoffes sagt nicht zwangsläufig etwas über seine Robustheit und Langlebigkeit aus, sondern kann Ausdruck anderer Qualitätskriterien sein, wie z.B. der Exklusivität und Eleganz der verwendeten Materialien (Seide), der Raffinesse des Druck- oder Webverfahrens, des hohen ästhetischen Wertes oder der extremen Feinheit. Entscheidend für die Haltbarkeit sind Webart und textile Rohstoffe.
Die Qualität der verwendeten Materialien, die Intensität der Nutzung sowie Tabakrauch, Schweiß oder sonstige Körperabsonderungen und Ihr Pflegeverhalten bestimmen somit in hohem Maße, wie lange die Freude an den Polstermöbeln währt. Jeansträger müssen wissen, dass grober Jeansstoff mit derben Nähten der Feind feingewebter Polstermöbelbezüge ist und abfärbt, ebenso wie nicht farbechte Textilien. Haustiere mit scharfen Krallen müssen von Polstermöbeln ferngehalten werden, ebenso Klettbänder (z.B. bei Kinderkleidung). Grundsätzlich sind helle und einfarbige Polsterbezüge empfindlicher und anfälliger gegen Verschmutzungen.
Lesen Sie mehr:Webvelours
Webvelours sind Stoffgewebe, bei denen als „dritte Dimension“ ein relativ kurzer und dichter, aufrecht stehender Flor fest eingebunden ist. Dadurch sind sie grundsätzlich strapazierfähiger als Flachgewebe, die direkten Scheuereinwirkungen ausgesetzt sind. Sie verfügen über einen flauschigen oder samtigen Griff, jedoch ist die Mustervielfalt eingeschränkt. Im Gebrauch kann der Velours leichte Druckstellen (Gebrauchslüster) entwickeln. Je nach Lichteinfall kann die Farbe optisch leicht unterschiedlich erscheinen. Dies alles ist bei dieser Art Gewebe normal und stellt keinen Sachmangel dar. Zu den strapazierfähigsten Bezugsstoffen gehören Polyacryl- und Polyesterveloure.
Flachgewebe
Flachgewebe sind Stoffgewebe, bei denen sich zwei Fadengruppen rechtwinklig überkreuzen und die nicht mit einem Flor versehen sind. Sie zeichnen sich durch sehr schöne Optiken aus. Sie können aus Naturfasern bestehen, was geringere Gebrauchswerte mit sich bringt, oder aus synthetischen Garnen gewebt sein, was erhöhte Gebrauchseigenschaften gewährleistet. Die Webdichte und die verwendeten Garne entscheiden über Haltbarkeit und Preis. Jedes Flachgewebe wird im Gebrauch aufrauhen und Glanzstellen erhalten. Bei allen Flachgeweben können schon bei normaler Benutzung an der Oberfläche des Stoffes Knötchen (sogenanntes Pilling) entstehen, die durch Zusammenwirbeln loser Faserteilchen der Webfäden oder durch Fremdfasern (z .B. aus Kleidung, Decken etc.) verursacht werden.
Chenille-Bezüge
Chenille-Bezüge sind samtartige und weiche Flachgewebe, bei denen Chenille-Garne als Schussfaden verwendet werden. Diese Garne bestehen aus zwei gegeneinander verdrillten Fäden mit eingefügten Florfasern, die dieser Stoffart eine besonders weiche uns sehr griffige Eigenheit.t verleihen. Wie alle Textilien unterliegen aber auch diese Stoffe im Gebrauch gewissen Oberseitenveränderungen. Sitzspiegel und Schattierungen sind normale Gebrauchserscheinungen und ebenso warentypisch, wie ein leichter Florverlust auf den Nutzflächen. Je weicher und angenehmer ein Chenille ist, um so leichter arbeiten sich einzelne Fasern heraus.
Flockvelours
Flockvelours sind keine Webstoffe, sondern durch ein spezielles Verfahren wird der Flor auf ein Trägermaterial aufgebracht. Bei einem sehr günstigen Preis sind diese Stoffe sehr abriebsfest, weich, warm und pflegeleicht, aber empfindlich gegen Lösemittel aller Art. Trotz hoher Scheuerbeständigkeit sind sie meist kratzempfindlich. Bei manchen Qualitäten können Florablösungen auftreten. Diese Stoffe können mit jedem nur erdenklichen Muster bedruckt werden. Das Changieren und auftretende Sitzspiegel sind warentypische Eigenschaften.
Mikrofaserstoffe
Mikrofaserstoffe bestehen aus mikroskopisch feinen Fasern, von denen 10.000 Meter zwischen 0,8 und 1,2 Gramm wiegen. Aus dieser rein synthetischen Faser können sowohl gewebte und geklebte Stoffe als auch Wirbelfliese hergestellt werden. Sie sind strapazierfähig, pflegeleicht und haben einen weichen Griff. Mikrofaserstoffe erreichen einen hohen Belastbarkeitsgrad. Scheuertouren über 30.000 sind keine Seltenheit!
Da Mikrofaserstoffe alle in einer der Wildlederoptik ähnlichen Art hergestellt werden, sind sie trotz teils gravierenden Qualitätsunterschieden jedoch kaum voneinander zu unterscheiden. Im Gebrauch kann die Mikrofaser leichte Druckstellen (Gebrauchslüster) oder Patina entwickeln. Je nach Lichteinfall kann auch die Farbe optisch leicht unterschiedlich erscheinen.. Zu den bekanntesten und hochwertigsten Materialien zählen: Alcantara, Amaretta, Bellseime und Lamous.
Abriebsfestigkeit nach Martindale
Die Bezüge von Polstermöbeln werden mit einer speziellen Maschine auf ihre Strapazierfähigkeit geprüft. Dabei ist die Prüfmethode genau definiert: eine in kreisenden Bewegungen auf der Stoffprobe herumscheuernde mit Stoff überzogene runde Scheibe simuliert eine natürliche Abnutzung eines Sitzbezuges. Je höher die Anzahl der Touren ist, desto resistenter verhält sich der Stoff gegen Abrieb und Verschleiß.
Ein Stoff mit nur drei Fadenbrüchen bei 20000 Scheuertouren ist für normale Beanspruchung im Wohnbereich gut geeignet. Es ist aber zu beachten, dass der Verschleiß eines Stoffes auf einer harten Polsterung höher ist als auf einer weichen Polsterung. Ebenso ist der Verschleiß bei Benutzug mit Jeans-Hosen deutlich höher als mit anderen Textilien.
Viele Hersteller machen jedoch keine Angaben darüber, worauf sich die Scheuertouren beziehen: den Beginn der Beschädigung des Stoffes oder dessen Zerstörung, der völligen Durchscheuerung.
Die Unterhaltspflege
Die Unterhaltspflege ist gleichzusetzen mit der täglichen Körperpflege des Menschen. Am besten pflegt man Polsterstoffe von Anfang an regelmäßig, da sich regelmäßige Pflege lebensverlängernd auf jeden Stoff auswirkt. Staub, Sand und Brösel sorgen dafür, dass die Textilfasern so lange gescheuert werden, bis sie zerstört sind. Aus diesem Grund sollten Polsterstoffe mindestens einmal im Monat bei geringer Saugstärke mit einer Polsterdüse leicht abgesaugt werden. Bei Velours- und Flachgewebe unbedingt eine Düse mit weichen Borsten verwenden und in Strichrichtung arbeiten. Anschließend mit einer weichen Bürste abbürsten (z.B. Kleiderbürste). Ab und zu sollte der Bezug mit einem feuchten Ledertuch vorsichtig in Strichrichtung abgewischt werden. Die Feuchtigkeit hält die Fasern elastisch und wirkt sich so positiv auf deren Langlebigkeit aus. Bitte reiben Sie nicht auf der Stelle und verwenden Sie keine silikonhaltigen Möbelpflegemittel. Keinesfalls Mikrofasertücher oder Dampfreiniger verwenden!
Einige Materialien, insbesondere Mikrofasern, haben eigene Pflegeanleitungen, die es unbedingt zu beachten gilt.
Verschmutzungen
Flecken entfernt man am besten sofort unmittelbar nach dem Entstehen. Verschüttete Flüssigkeiten sofort mit einem saugfähigen Küchenpapier oder Tuch abtupfen - nicht reiben! - , damit sie gar nicht erst in das Gewebe eindringen können. Viele Stoffe sind durch zusätzliche Ausrüstung fleckgeschützt, das heißt, Flüssigkeiten dringen nicht sofort in das Gewebe ein, sondern sind meist durch ein saugfähiges Tuch oder Papier zu beseitigen./
Achtung: Niemals auf der Stelle reiben und immer erst die Pflegeanweisung am Produkt beachten!
Fetthaltige und säurehaltige Verschmutzungen mit lauwarmem, destillierten Wasser (wegen evtl. Kalkrückständen im Wasser) großflächig, von Naht zu Naht mit einem feuchten, sauberen Tuch, z. B. Geschirrtuch oder einem sauberen Schwamm reinigen. Für eiweißhaltige Flecken, (z. B. Blut oder Urin) muss eiskaltes Wasser verwendet werden. Keine Angst vor Wasser, zur Fleckentfernung ist Feuchtigkeit notwendig. Für etwas ältere oder eingetrocknete Flecken, brauchen Sie in der Regel Seife, sie muss parfüm- und alkalifrei und PH-neutral sein. Die Seife oder den Schaum verdünnt auf den Fleck auftragen, ebenfalls großflächig von außen nach innen reinigen. Danach mit einem sauberen Tuch und klarem destillierten Wasser nachwischen, damit evtl. Seifenrückstände weitgehend entfernt werden können. Möglichst viel von der Oberflächenfeuchtigkeit mit einem trockenen Tuch abtupfen (nicht reiben), und bei normaler Zimmertemperatur trocknen lassen. Auf keinem Fall mit dem Fön arbeiten, das Material könnte hart oder beschädigt werden. Im feuchten bzw. nassen Zustand den Stoff nicht benutzen, sonst gibt es Dehnungen, Mulden oder Falten, die meist nicht mehr zu entfernen sind. Wurde nass gereinigt, mindestens 1-2 Tage trocknen lassen.
Versuchen Sie niemals Schmutzstellen mit Lösungsmitteln zu entfernen (z.B. Fleckenentferner, Terpentin, Benzin). Auf keinen Fall dürfen Polstermöbel und Bezugsmaterialien aller Art mit Dampfreinigern behandelt werden!
Die Beseitigung von schwierigen Flecken (Blut, Kaugummi, Kugelschreiber etc.) sollten Sie nach Möglichkeit von Fachleuten vornehmen oder sich dazu beraten lassen.
Durch den Reinigungsvorgang entfernen sie auch Imprägnierung aus dem Bezugsmaterial. Besorgen Sie sich deshalb die geeigneten Pflege- und Imprägnierungsmittel, die Ihre Materialien wieder schützen.
Reinigung
Grundsätzlich lassen sich die meisten Möbelstoffe durch autorisierte Reinigungsunternehmen chemisch reinigen. Beachten Sie jedoch immer zuerst die vom Hersteller empfohlene Anleitung! Man kann auch Trockenshampoo auf einen ausgedrückten Schwamm aufsprühen und vorsichtig und großflächig damit den Bezug von Naht zu Naht einreiben. Bei Velours sollte man zum Schluss die Oberfläche in Strichrichtung mit einer weichen Bürste bürsten. Bei Stoffen, die als waschbar ausgewiesen sind, ist folgendes zu beachten: Verwenden Sie nur flüssige Feinwaschmittel oder flüssige Neutral- oder Naturseife ohne Bleichmittel! Kissenbezüge sind vor dem Waschen auf die linke Seite zu drehen und der Reißverschluss zu schließen! Flecken eventuell vorher mit schonendem Flecklöser einweichen. Nicht schleudern! Nicht in den Trockner! Am besten die Bezüge noch leicht feucht wieder aufziehen. Bezüge mit Baumwollanteil können trotz Vorwäsche immer noch 2 bis 3% einlaufen. Im feuchten Zustand können sie daher beim Aufziehen leichter gedehnt werden. Im feuchten Zustand die Möbel nicht benutzen. Die Reinigung sollte allerdings die Arbeit des Reinigungsfachmannes sein!
Achtung: Bei Verwendung von feuergefährlichen Mitteln für ausreichend Belüftung sorgen. Kein offenes Feuer! Lösungsmittel wie Waschbenzin, Spiritus oder handelsübliche Fleckenwasser sind bei vielen Mikrofasern nicht anwendbar. Generell gilt diese Aussage für alle Flockstoffe. Herstellerhinweise unbedingt beachten.